Was bedeutet die Senkung des Leitzinses für Kredite?

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Die deutsche Finanzwelt und die Politik haben mit teils harscher Kritik auf die Zinssenkung der Europäischen Zentralbank  reagiert. Die EZB hatte den Leitzins überraschenderweise von 0,15 auf 0,05 Prozent gesenkt und kündigte zudem auch noch Wertpapierkäufe an. Banken sowie Versicherer waren erschüttert, ob der neuerlichen Leitzinssenkung. Es hagelte harsche Kritik vom präsident des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft, Alexander Erdland, wobei die Rede von falschen Signalen an Sparer war und dass die extremen Zinssenkungen keine positiven Wirtschaftsimpulse mit sich brächten. Des Weiteren kreidete Erdland an, dass weitere Leitzinssenkungen weder die Vergabe von Krediten ankurbeln würden, noch diese ob der niedrigen Preissteigerungsraten angebracht. Anstelle weiterer geldpolitischer Maßnahmen, welche das Niedrigzinsumfeld verfestigen, müssten nachhaltige Strukturreformen angekurbelt werden.

Krisengefahr durch zu viel Liquidität

Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, sieht die Gefahr von zu viel Liquidität im Markt und warnt vor krisenhaften Zuspitzungen durch die Leitzinssenkung. Er sprach offen von einem „schlechten Tag für die Sparer in Europa“ und davon, dass die EZB die „bereits getroffenen Maßnahmen“ erst einmal hätte wirken lassen müssen. Diese „Zinskosmetik“, wie Fahrenschon sie nannte, zeige, dass die EZB langsam an das Ende ihrer geldpolitischen Möglichkeiten stoße. Außerdem provoziere die Zentralbank die Bargeldhaltung mit dem weiter verschärften Strafzins für die Einlagefazilität.

Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, sagte, dass die ökonomischen Wirkungen vernachlässigbar seien und sich die die EZB unnötig unter Zugzwang gesetzt habe. Auch wenn die Gefahr, dass Europa in eine Deflationsspirale rutsche, gering sei, so drohe Europa dennoch in eine langjährige Stagnation zu rutschen, mahnte Kemmer. Die Gefahr, „dass die in mehreren Euro-Ländern dringen erforderlichen Wirtschaftsreformen weiter verschleppt werden“ ginge mit den Handlungen der EZB hervor.

Der Chef des Bankhauses Lampe, Alexander Krüger, siehe gute Gründe für die anhaltende Zurückhaltung bei Kreditnachfrage und Kreditangeboten, weshalb ein nachhaltiges Anziehen der Kreditvergabe eher wenig wahrscheinlich sei. "Die Gefahr, dass die Geldpolitik künftig mehr Schaden als Nutzen stiftet, hat zugenommen", so der Volkswirt.

Welche Auswirkungen hat dies für Kredite und Geldanlagen von Privatpersonen?



Die Senkung des Leitzinses hat vor und Nachteile. Während private Sparer durch den niedrigen Zinssatz der EZB eher benachteiligt werden, können Kredite zu günstigen Konditionen bezogen werden. Geldanlagen bei Banken haben bei einem niedrigen Leitzins das Manko, dass die Banken prinzipiell zu für sie günstigere Konditionen Geldanleihen bei der Zentralbank beziehen können. Wenn der Leitzins so niedrig ist, fallen auch die Zinsen für Anleger. Zwar werden Banken weiterhin die Anlagen von Privatpersonen annehmen, allein schon um ihre Kunden nicht zu verprellen, doch für den Sparer sinken die Konditionen. Anders verhält es sich mit Krediten. Wenn der Leitzins sinkt, sinken auch die Kreditzinsen, da die Kreditgeber günstige Geldanleihen tätigen können und diese Konditionen an den Kunden weitergeben können. Daher ist es nur logisch, wenn Kreditrechner im Netz dieser Tage vermehrt genutzt werden. Wer sich also einen kleinen oder größeren Traum erfüllen mag, sei es der Traumurlaub oder ein neues Auto, der sollte einen Kreditvergleich heranziehen.
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